Nahrungsapokalypse – Spongebrot Brotkopf bringt mir Burger

Logbucheintrag Nr. 4: Draußen tobt ein peitschender Wind. Er streitet sich mit dem Regen um die Vorherrschaft über die Nacht. Es ist 21 Uhr am 13.10.2012. Nach einem ertragreichem aber geistlosem Arbeitstag erreiche ich erschöpft und ausgelaugt die Wohnungstür. Mich begrüßt eine kalte in Dunkelheit gehüllte Wohnung, als ich den Schlüssel im Schloss umdrehe und durch die Tür trete. Durch die Ablenkung der Beschäftigung geblendet, vergaß ich mal wieder die Nahrungsaufnahme. Mein Magen meldete also just in diesem Moment eine Großraumdemonstration an.

Ein Blick in den Kühlschrank verrät mir, dass die dort nur sporadisch lebenden Nahrungskolonien mal wieder ausgezogen sind. Sie hinterließen nur ein Hauch von Leere. Wiedermal hatte ich vergessen mich durch die seelenlose Konsumwüste mit den blendenden Neonröhrenlichtern zu robben um dort, dürstend nach verseuchten Nahrungsmitteln, mein Überleben zu sichern. Lebensmittelsafari.

Ich muss meine Wollust nach Energierestauratoren mit einem schwarzen Heißgetränk ersticken. Schnell gesagt, noch schneller Kapsel gepackt, diese in der Maschine geparkt, gefolgt von langsamen Motorenrattern. Die Kaffeemaschine schnurrt wie ein Panzer im Leerlauf. Ein Zischen verrät das der Espresso bereit ist verschlungen zu werden. Runter gespült. PC gestartet.

Dumpfes Rauschen füllt meinen Kopf aus. Meine Pupillen weiten sich. Das Blut pumpt durch meine Venen. Meine Gliedmaßen sind freudig erregt und klatschen eifrig Beifall. Mein Augenlid zuckt. Das Flimmern des Bildschirms wirkt wiederum beruhigend.

Es ist 22.30 Uhr. 3 Kaffee später übermannt mich die Sehnsucht nach dem süßen Mädchen namens Schlaf. Es surrt. Mein Handy vibriert und tanzt dabei auf der Glasplatte des Tisches. Der blinkende Bildschirm schreit mich an, dass er eine Benachrichtigung für mich bereit hält.
Trunken von der Müdigkeit lese ich durch milchige Augen die Botschaft.

Ein ungebetener Gast warte wohl auf meiner Terrasse und bettelt um Einlass. Wer das wohl ist? Mit gedanklich zurecht gelegten Karate und Superhelden Skills schleiche ich bedächtig wie eine Planschkuh zur Terrassentür in der Küche. An der Küchentür angekommen, steigt mir der kalte Geruch von Leere aus dem Kühlschrank wieder in die Nase. Ich blicke, bei ausgeschaltetem Licht, durch die Glasscheibe meiner Terrassentür. Das Straßenlicht erlaubt mir einen spärlichen Blick auf die Flora und Fauna der Außenwelt. Es ist Niemand zu sehen. Ich schreite ein paar Schritte näher zur Übergangsschleuse. Es hat aufgehört zu regnen. Der Wind hat wohl gesiegt und erniedrigt nun das Blattwerk der widerstandsfähigen Bäume. Weitere prüfende Blicke verraten mir, dass um den Ecken der Pforte keine Menschen stehen. Mein schwerer Kopf senkt sich unter der Last des Alltags und wie automatisch wandert meine Hand in den Nacken. Dünne Fingerspitzen massieren meine hageren Nackenknochen.

Auf den Boden schauend blinzeln mich zwei Glubschaugen eines viereckigen gelben Kastens an. Eine Spongebob Brotdose. Ich hob sie auf und fühlte mit meinen Fingern sogleich die kleinen Wasserperlen auf der noch warmen Plastikoberfläche. Spongebob hatte auch eine schriftliche Botschaft an sein Kinn geklebt. Gruselig, das der Zettel farblich deckungsgleich mit Spongebrot Brotkopf ist, denk ich mir und lese die Hieroglyphen.

„Schön das du wieder da bist! Leckere Gemüseburger als Willkommensgeschenk für dich… *nomnomnom* Hoffentlich bis bald. (Fratze)“

Schnell öffne ich die Dose. Doch noch schneller als mein Blick über den Inhalt wandern kann, strömt ein betörender Geruch durch meine Nase und besiedelt die Sinne. Mein Verstand verschärft sich erst wieder als sich Speichel im Mundraum bildet und einen Weg nach Draußen sucht.

Den ersten Burger inhaliere ich direkt. Meine Geschmacksnerven feiern derbe fiesen Fasching, während mein Magen die ersten Demonstrationsschilder senkt um an dieser Feierlichkeit auch teilnehmen zu können. Unterbrochen wird mein Fressflash von einer einzelnen Träne, die sich den beschwerlichen Weg meiner rauen Wange herunter kämpft.

Logbuch Eintrag Ende —

Freunde sind wirklich unersetzlich.
Vielen Dank Krissi und Phil

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