Buch Rezension – Ramona Ambs – Die radioaktive Marmelade meiner Grossmutter

Ramona Ambs – Die radioaktive Marmelade meiner Grossmutter

Nur durch Zufall spülte mir Amazon, auf der Suche nach Büchern über das Thema Radioaktivität und Tschernobyl, dieses Kleinod von Literatur in die Suchergebnisse. Ich war sofort angefixt. Angefixt trifft es hier auch super und ist das passende Wort für diese knapp 160 Seiten starke Lebensgeschichte.
Ramona Ambs, ihrerseits 1974 in Freiburg geboren, skizziert hier in ihrem ersten Roman das kurzweilige Leben von Romy.

Romy wächst nach dem Tod ihrer Mutter bei ihren vom Holocaust traumatisierten jüdischen Großeltern auf. Gefangen in diesem Käfig aus Erinnerungen, die nicht ihre eigenen sind, sucht sie nach einem Ausweg. Sie schnüffelt schon früh an den Lacken ihres Großvaters im Keller, probiert die Tabletten der Großmutter und schließlich auch den Stoff, der bereits ihrer Mutter den wattigen Tod brachte: Heroin.

Das Buch erzählt die Geschichte direkt einsträngig aus Romy ihrer eigenen Gedanken-Perspektive als wäre es ein Tagebuch. So ist man immer ganz nah bei ihr. Diese Erzählweise macht die Leseerfahrung so intensiv und berührend. Besonders gelungen dabei ist die Sprache: in Ich-Form erzählt die Figur von ihrem Leben, erst mit den Augen und der Sprache eines Kindes, später dann mit den Augen einer jungen Frau, die zuviel gesehen hat. Durchgängig jedoch, von der ersten bis zu letzten Seite, bleibt der skeptische Blick Romys auf die Welt und ihre Eigenheiten. Man ist gleichermaßen bei ihrem ersten Schuss als auch bei ihrem herausragenden Abiturabschluss dabei. So reitet der Leser von einem hohen Lebensberg zum nächsten tiefen Tal mit Romy. Dabei will das Buch so gar nicht dem gängigen Mainstream entsprechen. Hier wird nicht mit erhobenen Zeigefinger auf eine schlimme Drogenkarriere mit all ihren Tiefen gezeigt. Sondern es saugt den Leser in die traurige, tragische und doch so bitterbös humorvolle Welt von Romy. Man baut gar eine romantische Beziehung zu sich, Romy und dem Heroin auf. Die Titelheldin lebt nicht, sie überlebt, sie hastet, sie springt, sie liebt, sie überholt und wird doch immer wieder eingeholt. Dieses sonderbar kostbare Buch handelt also von der Sucht. Der Sucht nach Leben.

Es gehört zu den besten Büchern, die ich in jüngster Zeit lesen durfte und bin froh es entdeckt zu haben und möchte es unbedingt jedem empfehlen. Es ist wie eine Droge.

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